100% Nachhaltigkeit / 100% Sustainability

Villagers – The Waves (Live at RAK)

please find English translation below

Nach ihrem zweiten Impftermin saß sie am Ufer des Flusses, der in Nähe seinem mittlerweile regulierten Flussbett folgte. Früher trat dieser Fluss über seine Ufer, überschwemmte Landschaften, durchzog das Augebiet, ließ es fruchtbar sprießen. Nun wurden neue Stadtteile gebaut, Zementburgen, die wie mahnende Fingerzeige in den Himmel ragten, oder als Phallus-Symbole in eine Zukunft hinein, die angeblich weiblich sein sollte.
Was sie wirklich interessierte: wurden die Menschen sanfter, bewusster, handelten sie nachhaltiger? Und was bedeutete Nachhaltigkeit, für wen? Wer konnte sie sich leisten? Bedeutete Nachhaltigkeit, Modelabels zu kaufen, welche „zu 100 % Fair Trade“ auf ihre Fahnen geheftet hatten und für eine ganz schlichte Baumwollhose sage und schreibe hundertsechzig Euro verlangten, ohne daran zu denken, dass viele Menschen in der gleichen Umgebung für einen Mindestlohn arbeiteten? Familien hatten? Sich für ihre Kinder keine Privatschulen oder Universitätsbesuche leisten konnten? Um Ihr Dach über ihren Köpfen, ihre Jobs zittern mussten? Oder von Altersarmut nicht nur bedroht waren, sondern sich bereits mitten darin befanden? Oder, oder, oder …
Hundertprozentige Nachhaltigkeit?
Ein Witz, oder? Nicht einmal mehr zynisch, sondern schlicht gedankenlos.
Sie wünschte sich eine Welt, in der Menschen tatsächlich noch eine sinnvolle Opferbereitschaft für ihre Mitmenschen entwickelten: Rücksichtnahme auf Unsichtbare, die keine Lobby besaßen, die anderen dienten, ohne  dass dies auch nur in geringster Weise wahrgenommen wurde von jenen, die dieses Dienen mit einer Selbstverständlichkeit konsumierten und davon überzeugt waren, dass die Mägde und Knechte im Grunde selbst Schuld an ihrer Stellung in der Welt trügen, denn es sei ja nur nötig, positiv zu denken und hart zu „arbeiten“.
Wer weit unten auf der sozialen Leiter steht … sieht die Welt naturgemäß anders und vieles, eigentlich alles ist nicht nur eine Frage des Bewusstseins, sondern vor allem der Möglichkeiten.
Neid? Mag sein, dass vielerorts auch dieser zu finden ist, aber … ist das ein Wunder? Und ist die Lösung, nicht mit Reichtum und Erfolg zu wedeln, sondern unter sich zu bleiben? Oder großzügig zu „spenden“? Braucht die Welt wirklich „WohltäterInnen“?
Fällt der Menschheitsfamilie wirklich keine andere Lösung ein?
Würden alle Menschen einander dienen, gäbe es dann nicht einfach nur viele verschiedene Gleiche? Wenn alle Könige und Königinnen sein wollen, oder sogar Götter und Göttinnen … müssten sie nicht dennoch lernen, einander zu achten, als viele verschiedene Gleiche im selben Raum?
***
After her second vaccination appointment, she sat on the bank of the river, which followed its now regulated riverbed. In the past, this river overflowed its banks, flooded landscapes, crossed the floodplain, made it sprout fertile. Now new parts of the city were being built, cement castles that rose into the sky like admonishing finger pointers, or phallic symbols from it into a future that was supposed to be feminine.
What she was really interested in: were people becoming gentler, more aware, acting more sustainably? And what did sustainability mean, to whom? Who could afford it? Did sustainability mean buying fashion labels that had „100% fair trade“ on their banners and charged a whopping one hundred and sixty euros for a pair of very plain cotton pants, without thinking about the fact that many people in the same neighborhood worked for minimum wage? Had families? Couldn’t afford private schools or university tuition for their children? Had fears to loose their homes and jobs? Or were not only threatened by old-age poverty, but were already in the middle of it? Or, or, or …
One hundred percent sustainability?
A joke, right? Not even cynical anymore, but simply thoughtless.
She wished for a world in which people actually still developed a meaningful willingness to sacrifice for their fellow human beings: Consideration for the invisible, who had no lobby, who served others without this being noticed in the slightest by those who consumed this service with a matter of course and were convinced that the maids and servants were basically themselves to blame for their position in the world, because all that was necessary was to think positively and „work“ hard.
Those who are far down the social ladder … see the world naturally differently and much, actually everything is not only a question of consciousness, but above all of possibilities.
Envy? It may be that in many places this can also be found, but … is that a miracle? And is the solution not to wave with wealth and success, but to stay among „themselves“?
Or to „donate“ generously? Does the world really need „benefactors“?
Can the human family really think of no other solution?
If all people served each other, wouldn’t there just be many different equals? If everyone wants to be kings and queens, or even gods and goddesses … wouldn’t they still have to learn to respect each other as many different equals in the same room?

© Silvia Springer

Translated with help of http://www.DeepL.com/Translator (free version), thank you so much!

15 Kommentare Gib deinen ab

  1. nebelkammer sagt:

    Ich vermute, dass Nachhaltigkeit nicht möglich ist, ohne globale soziale Gerechtigkeit. Dazu ein Link: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/entwicklungshilfe-deutschland-erfuellt-erstmals-ziel-der-uno-a-1142928.html
    Ich halte das Ziel von 0,7% für äußerst bescheiden, „christliche“ Länder sollten sich da eher am biblischen Zehnten orientieren. Aber noch nicht mal die 0,7% werden erfüllt.
    Es wäre alles möglich, es will nur keiner…
    LG Michael

    1. diespringerin sagt:

      Danke, lieber Michael, für deinen Kommentar! Ja, es gibt viel zu erkennen und zu tun, in uns selbst vor allem, dann im Haus, vor der Haustür, auf der Straße, dem Ort, dem Bezirk, dem Land … über die Grenzen hinaus …. über alle Grenzen hinaus, mögen sie etwas Verinnerlichtes beschützen oder etwas bereits Veräußertes …. so wie du sagst, es wäre ALLES möglich, … einen herzlichen Sonntagsgruß! Silvia

  2. Grinsekatz sagt:

    Es ist eine Charakterfrage, auf beiden Seiten. So wie es Arroganz und Menschenverachtung auf Seiten der so genannten Wohlhabenden gibt, existiert ein gerüttelt Maß an Wut, Unsachlichkeit und Affirmation für Rattenfänger aller Art auf der Seite derer, die wenig haben.

    Es geht auch anders, mit dem nötigen Respekt vor einander.
    Eine Charakterfrage halt, wenn auch gesellschaftlich relevant.

    Lieben Gruß, Reiner

    1. diespringerin sagt:

      Da gebe ich dir recht. Und selbstverständlich eine Frage der Machtverhältnisse. Was den Respekt betrifft, frage ich mich immer, wie man Respekt, echten Respekt, der in gewisser Hinsicht ein Hinweis darauf ist, dass die jeweiligen Player sich auf Augenhöhe begegnen, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht etc. …. , wie man also echten Respekt von Menschen erwarten kann, die es gar nicht gewöhnt sind, dass man ihnen mit Respekt gegenüber tritt, sondern mit Verachtung und/oder Geringschätzung … und ja, das ist gesellschaftlich relevant und politisch betrachtet mehr als brisant. Würde man die Verhältnisse einfach umdrehen, wären die Reichen arm und die Armen reich, ich meine, was brächte das? Und weiters können wir für all die Verschiedenheiten noch so viele Namen, Diagnosen etc. finden, wird es immer wieder welche geben, die aus all diesen Benennungen rausfallen …. ja, insofern ist alles ein Hinweis darauf, dass bei aller Gleichheit oder Verschiedenheit Respekt ein verbindendes Glied darstellt … Lieben Gruß zurück, Silvia.

      1. Grinsekatz sagt:

        Respekt gegenüber Rang-Niederen (ich weiß, es klingt furchtbar, aber Hierarchien sind existent und werden es auch immer bleiben) äußert sich in vermeintlichen Kleinigkeiten, auch in Bezügen zueinander. 43 Berufsjahre in Kleinst- und mittelständischen Familienbetrieben sowie seit ein paar Jahren ein weltweit agierender Großkonzern haben mich das gelehrt. Wir Menschen sind nicht gleich, werden es auch niemals sein (auch das klingt heutzutage furchtbar, ja). Ein jeder Mensch ist Kind seiner Sozialisation, was Gott sei Dank kein Fixum ist, sondern ein beständiger Lernprozess, sofern Lernfähigkeit vorhanden (auch das ist nicht jedem gegeben)

        Wenn ich meinen Platz kenne oder, wie in jüngeren Jahren, meine Chancen auslote, um zu schauen, wo komme ich noch hin, freue ich mich über Menschen, die mich sehen, wie ich bin, wozu ich fähig sein kann, in meiner Funktion, für die ich bezahlt werde. Menschen, die in der Lage sind, trotz gefülltem Terminkalender meinen Namen zu behalten, einen Gruß auszusprechen, sich vielleicht eine kurze Zeit für ein Gespräch nehmen. Die sich zumindest System-zusammenhängend für das interessieren, was ich tue, eingebunden in den ihnen unterstellten Kontext. Respekt ist ein geben und nehmen von Achtsamkeit & ein Mindestmaß an Höflichkeit. Wenn dies beiderseits funktioniert, braucht es keine disziplinarische Knüppel einerseits und keine inneren Kündigungen andererseits.

        Politisch funktioniert das ähnlich, glaube ich. Menschen sind weniger verführbar, wenn ihnen gewählte Vertreter gegenüber stehen, die ihre Bodenhaftung bewahrt haben, ich kenne gute Beispiele auf kommunaler Ebene, wo das gut funktioniert. Menschen, die zuhören und im Rahmen ihrer manchmal bescheidenen Möglichkeiten Veränderungen schaffen. Menschen die die wahren Bedürfnisse ihrer Mitmenschen erkennen können und sich nicht in Dogmen, Lobbyismus, aufgeblähte Grundsatzdebatten oder in der hierzulande vergleichsweise nicht so stark ausgeprägten Korruption ergehen.

        Höflichkeit ist das eine, aber auch an ihren Taten soll man sie erkennen ;)

        Guten Morgen dir, Sylvia, Grüße, Reiner

      2. diespringerin sagt:

        Es wird immer die geben, die vor uns da waren oder etwas besser machen können, deswegen müssen wir nicht geringgeschätzt werden. Auch, wenn wir tatsächlich einen „niederen“ (aber letztendlich, im Raum, gibt es das, wirklich, nicht „esoterisch“ betrachtet, sondern in letzter (was es ja auch nicht wirklich geben kann) Konsequenz weitergedacht?) Rang innehaben, wir befinden sich einfach nur in einem viel, viel größeren Zusammenhang – hat das nicht sogar Kant gesagt, dass du eigentlich von überall beginnen kannst, die richtigen Schlüsse zu ziehen – verzeih, das ist sehr, sehr vereinfacht ausgedrückt und vielleicht völlig falsch verstanden… Die von dir beschriebene Realität IST, aber eben nicht unverrückbar …
        Wenn du „deinen Platz“ kennst, kann das vielerlei bedeuten, z.B. Unterwerfung an bestehende Ordnungen, die eigentlich auf Ausbeutung begründet sind, oder etwa einen viel weiteren Blick auf Gesamtzusammenhänge, die lediglich wieder auf etwas Größeres hinweisen. Höflichkeit als erster Schritt, der Vertrauen schaffen kann, wo Vertrauen ist, kann Respekt entstehen, weil das immer ein näheres Hinsehen und eben ein Erkennen bedeutet. Das hast hast du gut beschrieben, und ich glaube auch, dass Mitspracherecht und Mitgestaltung auf kommunaler Ebene doch einiges bewirken könnten.
        Jedes Individuum ist etwas Besonderes, ohne besonders zu sein: das gilt für AnführerInnen ebenso wie UnterstützerInnen, es braucht beides und alles dazwischen und darüber hinaus.
        Bildungsmöglichkeiten für alle Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, … nicht nur zweckbezogen auf die ständig wachsende Wirtschaft sondern eigentlich auf das Wohl aller hinzielend, die Wirtschaft ergibt sich aus den menschlichen Beziehungen von ganz alleine, glaube ich halt (tut es so auch, wenn auch eben vom Gedanken gesteuert, einfach nie genug zu haben, aus Angst von einem Mangel, eigentlich absurd, aber ich glaube, das ist das Problem: die Angst der wenigen, die fast das gesamte Vermögen nicht nur innehaben, sondern immer weiter vergrößern müssen, wofür die Massen zahlen sollen, einfach nicht genug zu haben … ).
        Und: oh ja, schöne Worte sind wunderbare Theorien, aber ohne Praxis sind sie nicht so viel wert …. :) , dir noch einen schönen Sonntag, Reiner, aus einem momentan an einen Backofen erinnernden Wien, ich komme gar nicht nach mit dem Wassertrinken …. Herzlichen Gruß, Silvia

  3. Stefan Kraus sagt:

    Bravo! Genau auf den Punkt gebracht.

    1. diespringerin sagt:

      Danke dir, Stefan! Ein Pünktchen unter unendlich vielen…. ☺️Herzliche Grüße, Silvia

      1. Stefan Kraus sagt:

        Auch ein Fernsehbild entsteht aus unzähligen Pünktchen 👍
        Liebe Grüße an dich! 🙂

      2. diespringerin sagt:

        Oh da hast du recht ☺️☺️☺️😃!

  4. Arkis sagt:

    „Wenn alle Könige und Königinnen“ dies Reich ist nicht von dieser Welt ;) es ist in euch ;)

    1. diespringerin sagt:

      Yep. Dem ist nichts hinzuzufügen :) !

  5. Arkis sagt:

    Zufall, eben dachte ich über die Schlagzeile „Nachhaltigkeit“, was soll das sein, ja eine Modewort eine Hülse oder Wundertüte in der jeder rein lesen kann, was er sich ausmalt. Auch „Bio“ ist so ein Wort, Hauptsache es steht Bio drauf, doch in Wirklichkeit ist Thanatos drinnen. Habs schön lebendig liebe Silvia, Gruß.

    1. diespringerin sagt:

      Oh ja, … aber natürlich zumindest eine Art Wegweiser, ob wir trotzdem Irrwege gehen, das steht wieder auf einem ganz anderen Blatt …. oh, lebendig ist’s, und wie ;), danke, dir auch auch. lieber Arkis! Und hab’s einfach schön!

      1. Arkis sagt:

        Alle Wege, sind Irrwege, solange nicht jener Weg von dem das „Herz“ freudig ja sagen kann gegangen wird, wobei der Weg und das Gehen das selbe sind. Danke.

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