Gezeiten / Tides of Time

Wolke über Hausdach © Silvia Springer
© Silvia Springer

English translation below

Vor dem Lockdown, als noch niemand sich vorstellen konnte, was ein, zwei Wochen später über die Gesellschaft hereinbrechen würde, wurde sie Zeugin eines Sonnenuntergangs, den sie wohl nie vergessen würde. Es handelte sich lediglich um drei, vier Minuten, in denen die Häuser in ein rotgoldenes Licht getaucht wurden, das sie noch nie so erlebt hatte. Sie kam aus dem Supermarkt und wollte die Straße überqueren, der Verkehr toste, die Gehwege waren voller Menschen. Sie wartete am Straßenrand und konzentrierte sich eigentlich auf die vorbeizischenden Autos, als sie plötzlich dieses Licht bemerkte, das durch die Reflexionen in den Fensterscheiben auf hundertweise Arten flimmerte. Sie hob den Blick und nahm wahr, wie grandios der Himmel schimmerte, blau, rosa, rot, gold, weiß mit allen möglichen Schattierungen … die in Licht getauchten Häuser leuchteten bunt in ihren eigenen Farben, da gab es nirgendwo ein Grau, zumindest sprang es ihr nicht in die Augen, es war wohl alles eine Frage der Wahr-Nehmung im Augen-Blick, völlig unerwartet.

Sie stand da, ergab sich dem Wunder, das sich vor ihr entfaltete. Es war so intensiv, dass sie davon überzeugt war, alle Passanten müssten entzückt stehen und ihre Hälser dem Himmel entgegenrecken, aber das war nicht der Fall. Die Leute hasteten an ihr vorbei, als wäre alles … ganz normal. Aber das war es nicht. Mehr.

Die Sonne verschwand hinter den Häuserdächern und die Stadt versank in Abendgrau.

Ohne Dunkelheit wüssten wir nichts vom Licht. Allerdings wüssten wir ohne Licht nichts von den Dingen, dem Licht im Inneren, und Sehen ist nicht nur ein Vorgang der Augen, sondern vor allem des Herzens. Ein organisch blinder Mensch kann die Welt mit seinen Händen ertasten und lieben, wenn sein Herz offen für sie ist.

***

Before the lockdown, when no one could yet imagine what would befall society a week or two later, she witnessed a sunset she would probably never forget. It was just three or four minutes, during which the houses were bathed in a red-golden light that she had never experienced before. She came out of the supermarket and wanted to cross the street, the traffic was roaring, the sidewalks were full of people. She was waiting at the side of the road and was actually concentrating on the cars whizzing by, when she suddenly noticed this light, which flickered in a hundred different ways due to the reflections in the window panes. She raised her eyes and noticed how the sky shimmered grandiosely, blue, pink, red, gold, white with all possible shades … the houses bathed in light shone brightly in their own colors, there was no gray anywhere, at least it didn’t jump into her eyes, it was probably all a question of perception, completely unexpected.

She stood there, surrendered to the wonder that unfolded before her. It was so intense that she was convinced that all passers-by had to stand enraptured and stretch their necks towards the sky, but this was not the case. People rushed past her as if everything was… quite normal. But it was not. Anymore.

The sun disappeared behind the roofs of the houses and the city sank into evening grey.

Without darkness we would know nothing about light. Without light, however, we would know nothing about things, the light within, and seeing is not only a process of the eyes, but above all of the heart. An organically blind person can feel and love the world with his hands if his heart is open to it.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (free version)

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Gutes Essay über das Licht! 🙂

    1. diespringerin sagt:

      Danke 😊😊😊☀️🌈!

  2. diespringerin sagt:

    Oh, ja…. Alles sichtbar, alles erkennbar….

  3. Art of Arkis sagt:

    So ist es, und spüre ich das auch, ohne Licht des. Bewusstsein, kein Licht, das betd. auch wir werden vom Licht angeschaut, es ist ein Dialog. Auch blinde Menschen spüren das. 🙂

    1. diespringerin sagt:

      Oh ja, genauso ist es! Es ist ein Dialog! Danke, arkis! 🤗💗☀️

      1. Art of Arkis sagt:

        In natürlich auch in der Pflanzenwelt, u. Tierwelt, ist da so 🙂

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