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Der gebändigte Strom wälzt sich ins seinem steinigen nicht mehr natürlichen Bett vom Westen in den Osten fort, mit einer Kraft und Vorherbestimmtheit, die so früher nie gewesen ist, in Urzeiten, als der Fluss noch wild sich verzweigte und verästelte und die Gegend in einen sumpfigen Wald verwandelte, in dem die Tiere des Wassers, des Landes und der Luft mit ihren Stimmen und Bewegungen ins Lied der Natur und ihren Elementen einstimmten. Allein die Praterauen, die sie noch als Kind vor dem Bau der Donauinsel als Maßnahme der Hochwasserbekämpfung gekannt hatte, waren von einer unbeschwerten Frechheit, was Überschwemmungen und Wildwuchs betraf, konnten bedrohlich nicht nur wirken, sondern auch tatsächlich sein, für jene, welche auf unsicherem Boden gebaut hatten, warum auch immer. Wer ließ sich mit der Natur auf so einen Handel ein, früher, vor nicht einmal hundert Jahren? Davor wusste man um die Gezeiten des Flusses und dessen Unberechenbarkeit. Alles, alles geschah aus Gründen, folgte einer unheiligen Hierarchie des falschen Scheins. Dennoch, die Donau hatte ihren Geist und ihre Seele nie verloren, folgte unbeirrt der Richtung, die ihr Wesen vorgegeben hatte, das reiche Leben, das sich an ihren Ufern entfaltete, erst ermöglichte. Wer erinnert sich noch heute an all die Völker, die hier einst vorüberzogen, lebten, kämpften, unterwarfen, handelten, siedelten, aufbauten, was auch immer … zwischen den modernen Menschen, die heute hier wohnen, leben, arbeiten, einfach sind, und den Touristenmassen, die in den engen Gassen und weiten Plätzen und dem Schönbrunn sich ergehen, tummeln sich Geister von Kelten und Römern, Slaven, Hunnen und Germanen …, Wenia, Vindobona, Wien, die Orte an dem Fluss immer schon ein Schnittpunkt vieler Linien, aber eigentlich ist das eine Frage des Standpunkts und der Perspektive.
The tamed river rolls along in its stony, unnatural bed from west to east, with a force and inevitability that has never been seen before, in primeval times, when the stream still branched and meandered wildly, transforming the area into a swampy forest where the creatures of the water, the land, and the air joined in the song of nature and its elements with their voices and movements. Only the Prater floodplains, which she had known as a child before the construction of the Danube Island as a measure to combat flooding, possessed a carefree audacity; as far as flooding and overgrowth were concerned, they could not only appear threatening but actually be so, for those who had built on unstable ground, for whatever reason. Who entered into such a bargain with nature, back then, not even a hundred years ago? Before that, people knew of the water’s tides and its unpredictability. Everything, everything happened for reasons, followed an unholy hierarchy of false appearances. Yet the Danube had never lost its spirit and soul, unwaveringly following the course dictated by its very nature—the very course that made possible the rich life unfolding along its banks. Who still remembers today all the peoples who passed through here, lived, fought, conquered, traded, settled, built—whatever they did… Amid the modern people who live, work, and simply exist here today, and the crowds of tourists who wander through the narrow alleys and wide squares and enjoy Schönbrunn, the spirits of the Celts and Romans, Slavs, Huns, and Germanic tribes bustle about… Wenia, Vindobona, Vienna—the places by the river have always been a crossroads of many paths, but really, it’s a matter of viewpoint and perspective.
Translated with DeepL.com (free version)

Zuerst bauten zu nah am Wasser die, die von ihm lebten. Schiffer, Fischer, Müller. Dann, im Auwald und auf sumpfigen Inseln, die, die nicht gefunden werden wollten. Da ihre Bauten nicht allesamt weggespült worden waren kamen die Spekulanten und ließen die Politiker verkünden, dass das bestes Bauland wäre…
Stimmt … die ersten Siedler passten sich noch an, Pfahlbauten und so … sogar in meiner Kindheit sah ich entlang der Donau solche Wochenendhäuschen, die mit der Donau als Naturgewalt rechneten….
Eine feine Liebeserklärung an die wilden Wurzeln :)
Danke, lieber Reiner, ja, ist wohl tatsächlich eine Liebeserklärung – ans Wilde, an den Ursprung, die Flüsse und die Wälder, … und auch an das Gute, das daraus entstanden ist, trotz aller (politischen) Irrungen und Wirrungen … einen herzlichen Gruß ins Wuppertal aus dem Wald der Wiener und den Donauauen … (und Weinbergen ….. 😊🤗(und sorry für die verspätete Antwort!)
Liebe Silvia, mit gewählten Worten schilderst Du die Veränderungen der Donau und ihrer Umgebung durch menschliche Eingriffe und stellst die ursprüngliche Wildheit des Flusses den heutigen, geordneten Verhältnissen gegenüber. Er reflektiert die Geschichte der Praterauen, das Zusammenspiel von Natur und Zivilisation sowie die fortwährende Präsenz vergangener Völker und deren Einfluss auf das moderne Wien. Die Donau bleibt dabei ein lebendiges Symbol, das trotz aller Veränderungen ihren Geist bewahrt hat.
Du hast das Spannungsfeld zwischen der technischen Bändigung (der Wiener Donauregulierung) und der archaischen Seele des Stroms wunderbar in Worte gefasst.
Ich lebe am Niederrhein und weiß, wenn man einen Fluss in ein künstliches Bett zwingt, tritt er über die Ufer, um zum Ursprung zurückzukehren. Der Mensch muss jeden Eingriff in die Natur bezahlen. Liebe Grüße, Gisela 💚
Liebe Gisela, ich muss mich entschuldigen für die verspätete Antwort auf deinen Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe! Danke für deine intensive Auseinandersetzung mit dem Text und deine Gedanken dazu! Ja, es stimmt, zwingt man einen Fluss in ein künstliches und eigentlich viel zu enges Bett, tritt er über die Ufer, das ist wohl auch bei menschlichen Emotionen der Fall. Die Natur reguliert das Regulierende: alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Darauf dürfen wir tatsächlich vertrauen … ich schicke einen herzlichen Gruß von der Donau und den Wiener Wäldern zum Niederrhein! Silvia
Eigene Photos sind es, das ist klar. Und der Text – auch selbst geschrieben? Da klein anderer Name genannt wir, ist es wohl so.
Ja, Texte auf dem Blog sind vo mir. Wenn ich wen zitiere, gebe ich die Quelle an. LG!
Das klingt richtig gut, wie Prosa für einen Roman, jedenfalls kommt da sicher noch mehr…☺️💛🍀
Dankeschön ☺️
Fluss ist eigentlich ein sehr schönes Wort, denn solange alles im Fluss ist, ist Stagnation überflüssig. :-)
Ja, gell? Alles fließt, vor allem die Zeit, die es gar nicht gibt … 🤗
Stimmt – und die hält auch nicht an, nie. :-/