Projekt: „Reisende in der Zeit“ – „Traveler in Time“ Teil / Part 17

Along Our Way · Shawn James

Please find English translation below

Mit drei Jahren wanderte sie an der Hand ihrer Mutter von einem Wiener Gemeindebezirk in den nächsten, da diese für eine Übergangsphase zwei Hausbesorgerposten hatte. Bei beiden mussten abends das Stiegenhauslicht eingeschaltet werden, ja, so war das noch in den 60ern, da schalteten Hauswartinnen das Licht am Abend ein. Die Zeiten dafür mussten streng eingehalten werden und oft beeilten sie sich an den Wochenenden, um von Ausflügen in der Wiener Umgebung rechtzeitig zum „Lichteinschalten“ zurück zu sein. Die Waschküchen mussten gesäubert,  die Stiegenhäuser regelmäßig aufgewischt, die Trottoire gekehrt und mit Waschlauge vom Hundekot und -urin gesäubert werden. Der eine Posten lag damals in Margareten, in der Nähe des Einsiedlerparks, der andere, neue in Meidling, etwa zwanzig Minuten (zu Fuß) von Schloss Schönbrunn entfernt. Sie zogen als erste Parteien in eine neu gebaute Siedlung ein – in eine Dienstwohnung im Erdgeschoss, nicht mehr im Keller, das war tatsächlich eine ganz praktische Art des Aufstiegs. Obwohl die Anschlüsse vorhanden waren, gab es keine Gasheizungen, sondern einen Koksofen zwischen Küche und Kinderzimmer (sie schlüpfte immer durch und sammelte so Nachhemden mit Brandlöchern, sie hörte noch das Zischen des Stoffes, wenn er mit dem glühend heißen Bauch des Ofens in Berührung kam). Sie hatten endlich ein Bad, aber noch kein heißes Wasser, das wurde in einem riesigen Kessel auf dem Küchenherd gekocht und zur Badewanne geschleppt. Trotzdem war es wunderbar, weil alles neu und eben doch für die damaligen Verhältnisse luxuriös war. Sie und ihre ältere Schwester hatten endlich ein eigenes Zimmer.

Mit der Zeit kamen Gaskonvektoren und Durchlauferhitzer. Kein eigenes Telefon, auch keinen Viertelanschluss. Zum Telefonieren mussten sie zur nächsten Telefonzelle.

Sie hatte Erinnerungen an die Wanderungen von Margareten nach Meidling, Bilderfetzen und Töne: Sommerbilder. Licht und Schatten. Sie sie sah den Himmel über den Häuserschluchten, die sie durchschritten. Vermutlich wurde sie auch getragen. Kinderwagen? Daran erinnerte sie sich nicht. Aber ans Gehen. Und den Ruf der Schwalben über ihren Köpfen. Die Hand ihrer Mutter. Die Gerüche (es waren zwar viel weniger Autos auf den Straßen, die hatten aber alle noch lange keine Katalysatoren – einige Jahrzehnte später fiel ihr der Motorgestank auf, als sie Budapest, Prag, Bratislava, Znaim usw. besuchte, als dort noch die alten Verbrennungsmotoren und im Westen schon die Kats üblich waren – auch das änderte sich im Laufe der Zeit …). Das Laub der Bäume im Sonnenlicht, die Schwalben, die Schwalben.  Einen Friseurladen, an dem sie vorbeikamen.

Es waren wirklich glückliche Momente. Wahrscheinlich konnte sie deshalb auch heute noch stundenlang einfach gehen, mit oder auch ohne Ziel. Im Gehen von da nach dort, wie eine Spinne auf ihrem eigenen Faden konnte sie den Raum durchqueren und die Zeit überwinden, wenn sie das wollte. Aber eigentlich wollte sie nichts überwinden. Sie wollte einfach nur gehen, bis sie nicht mehr gehen würde. So einfach war das.

© Silvia Springer

At the age of three, she wandered on her mother’s hand from one Viennese district to the next, as she had two caretaker jobs for a transitional period. For both of them she had to switch on the stairwell lights in the evening, yes, that’s how it was in the 60s, when janitors switched on the lights in the evening. The times for this had to be strictly adhered to and they often hurried on weekends in order to be back from hikes in the Vienna area in time to „switch on the lights“. The laundry rooms had to be cleaned, the stairwells regularly mopped, and the trottoirs swept and cleaned of dog feces and piss with suds. At that time, one post was located in Margareten, near Einsiedlerpark, and the other, new one in Meidling, about twenty minutes (on foot) from Schönbrunn Palace. They were the first inhabitants to move into a newly built housing estate – into a service apartment on the ground floor, not in the basement anymore, that really was a very practical of ascent. Although the connections were there, there was no gas heating, but a coke oven between the kitchen and the children’s bedroom (she always slipped through and thus collected nightgowns with burn holes; she could still hear the hissing of the fabric when it came into contact with the glowing hot belly of the oven). They finally had a bathroom, but no hot water yet, it was boiled in a huge kettle on the kitchen stove and dragged to the bathtub. Still, it was wonderful because everything was new and yet luxurious by the standards of the time. She and her older sister finally had their own room.

With time came gas convectors and instantaneous water heaters. They did not have their own telephone, not even a quarter telephone line. To make a phone call they had to go to the nearest phone booth.

She had memories of the walks from Margareten to Meidling, snatches of pictures and sounds: summer pictures. Light and shadow. She saw the sky above the canyons of houses they walked through. Probably she was also carried. Baby troller? She didn’t remember that. But memories of walking. And the call of the swallows over their heads. The hand of her mother. The smells (there were far fewer cars on the roads, but they all had no catalytic converters for a long time – a few decades later she noticed the engine smell when she visited Budapest, Prague, Bratislava, Znojmo, etc., when the old combustion engines were still common there and the cats were already common in the West – that also changed in the course of time …). The leaves of the trees in the sunlight, the cries of the swallows, the swallows.  A barbershop they passed.

These were really happy moments. Probably because of that even today she could just walk for hours, with or without a destination. Walking from here to there, like a spider on its own thread, she could cross space and overcome time if she wanted to. But actually she didn’t want to overcome anything. She just wanted to walk until she would walk no more. It was as simple as that.

© Silvia Springer

SLC  2018 © Silvia Springer

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (free version)

12 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sieh an sieh an Don Juan
    Hoab des mit buffzehn Joarn schoa mehr als lektürt
    Geruch damals verwendeten Fensterkits steigt mir grad in die Nase; k. A. ob das nur natürliche Inhaltsstoffe waren und sind

    1. diespringerin sagt:

      Smile, ja, alte Notiz daraus, gefunden in einem Buch, … wie’s so ist, du blätterst und findest und erinnerst oder so ähnlich :) …

  2. dwege sagt:

    eine sehr lange antwort.
    ich sehe das problem viel langfristiger ( tatsächlich unabhängig vom handicap ) und pragmatischer, den sogenannten fortschritt betreffend.
    angefangen in den 70er jahren, als noch lochkarten und bald danach magnetische bänder die administration organisierten. speziell mit facebook änderte sich fast alles. im normalen rahmen für händler ein entscheidender vorteil, mit wqenig aufwand täglich millionen zu erreichen, keine streuverluste wie einst bei werbung in printmedien.
    kaium jemand kann es sich leisten, auf facebook zu verzichten. facebook verändert weltweit die wahrnehmung, politiker nutzen facebook, twitter und co. zur manipulation des wahlntscheids.
    der normale internet konsument surft je nach langeweile oder interwesse durch die virtuelle beliebigkeit und unübersichtlichkeit der virtuellen welt.
    facebook ist jedoch langfristig keineswegs harmlos, in der art und weise, die namenlose masse mensch zu manipulieren, abhängig zu machen, die scheinbare vielfalt in zeiten der globalisierung wird in gigantischen servern ununterbrochen daten sammeln,l speichern. ich persönlich privat und öffentlich habe damit kein existenzielles problem.
    stelle nur fesyt, seit jahrzehnten wird an KI gedorscht,, die künstliche intelligenz macht erstaunliche fortschritte, algorithmen sorgen auch in großen verwaltungen dafür, daß robots viel effizienter daten und termine verwalten.

    all dies ist dennoch erst der anfang einer entwicklung im technologiischen fortschritt.
    was ich in der realität wahrnehme, ist scheinbar seit fast 2 jahren nur ein problem mit maßnahmen im abstandhalten und 2G regeln. wie lange es auch dauern mag, normalität im sinne von offenheit, gemeinsamkeit, wird es jedenfalls im öffentlichen raum nicht mehr geben.
    insofern nutze ich wordpress nur als intelligent programmierte basis zur vertreibung unzensierter gedanken.
    nicht mehr und nicht weniger ein zeitvertreib, mangels lebendiger perspektiven im jetzt & hier.
    aktuell ist schon wieder montag.

  3. syl65 sagt:

    Beautiful memories, Silvia. Always amazed at how technology and inventions have evolved over time. It is wonderful that find freedom and a renewed spirit when walking. Have a nice Sunday 🌞🕊️🌎🌎🌎☮️

    1. diespringerin sagt:

      Thank yo, Syl, same to you! Yes the changes in time are amazing, I remember things which really come from another world… Everything what is before the seventies seems ancient for my younger colleagues…. ☺️😊And the world really had another rhythm… Take care, Syl, wishing you a lovely day!
      🌍🌎🕊️🌞

      1. syl65 sagt:

        You’re very welcome and thank you! I remember the washer my mom used when I was little and hanging the clothes outside on a clothesline. I can imagine your youngest colleagues trying to imagine life before the seventies 😊😄. You take care too and have a peaceful evening/night 🌒🌎🌎🕊️😊

      2. diespringerin sagt:

        You know, I sometimes feel like a dinosaur 😀, like one of those with that big body and the long neck and the long tail, standing there and chewing leaves…. 🦕🌿🍃🤣😊🙏🌍🌎🕊️

      3. syl65 sagt:

        Haha 😄 I know what you mean… I don’t think we’re quite ready for Jurassic Park yet 😉🌴🦕🌿😂🙏🏽🌎🌎🕊️

      4. diespringerin sagt:

        LOL 😀!!!! Not yet!

      5. syl65 sagt:

        LOL 😄😄😄

  4. sori1982 sagt:

    Sehr schöne Geschichte. Vor allem die Stelle mit dem Gehen. Ursprünglich wollte ich heute morgen meine Lieblingsstrecke im Wald gehen, aber ich entschied mich dann anders. Ich ließ mich in der Hernalser Villengegend verlaufen und kam dann zum Schloss Wilhelminenberg. Und auf dem Weg dorthin entdeckte ich viel Neues. Hab noch einen schönen Sonntag!

    1. diespringerin sagt:

      Danke schön, liebe sori,! „Ich ließ mich verlaufen“, ja das klingt gut, da entdeckt man die schönsten Dinge! :) Ich strolchte heute in Breitensee herum … aber vor ein paar Tagen war ich im 16. unterwegs und von einem Punkt aus sah ich auch dias Schloss Wilheminenberg und dachte noch, wäre wieder mal gut, in diese Richtung zu spazieren …. dir auch noch einen gemütlichen Sonntag Abend!

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