Waschrumpelgedanken / Wash Rumple Thoughts

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Zu den Aufgaben der Hausbesorgerin zählte unter anderem, die Waschküche des Hauses sauber zu halten. Es gab eine große Waschmaschine, in der auch Tuchenten und kleinere Teppiche Platz hatten, eine Zentrifuge und einen Wäschetrockner. Im steinernen Waschtrog wurde Wäsche eingeweicht und auf der Waschrumpel geschrubbt, bis sich der Dreck gelöst hatte. Sie erinnerte sich daran, es ein paar Mal gesehen zu haben, aber nicht mehr sehr oft. Es war 1967, als sie in die neue Hausbesorgerwohnung einzogen, als erste Familie einer neuen kleinen Siedlung an einer Durchzugsstraße, in der die Autos im Geschwindigkeitsrausch vorbei rasten, es gab noch keine Ampeln, etliche Jahre gab es dort keine Ampeln. Es passierten viele Unfälle, ein paar davon tödlich, und am eindringlichsten hatte sie den in Erinnerung, in der ein Auto auf dem Dach lag, der Fahrer war praktisch unversehrt aus dem Wrack gekrochen, seine Begleitung – (lange, sehr lange vor der  Gurten Pflicht) – war durch die Windschutzscheibe geschleudert worden und kämpfte am Straßenrand mit dem Tod. Sie starb noch bevor der Rettungswagen eintraf.

Es war also 1967 und die Haushalte wurden modern. Es gab noch Altbauwohnungen mit Klos am Gang, die von mehreren Mietern benutzt wurden,  Bassenas am Gang, an denen die Hausfrauen sich zum täglichen Tratsch zwischen den Arbeitsgängen trafen, während sie warteten, dass ihre Kübeln sich mit (eiskaltem) Wasser befüllten, die sie in ihre Wohnungen schleppten, um dort die Böden aufzuwaschen oder es in Waschkesseln gossen, um Windeln und Unterhosen auszukochen.

Pro Stiege gab es eine Waschküche. Für je zwei Häuser  gab es je eine Hausbesorgerin, auch das war ein Fortschritt, denn davor hatte ihre Mutter riesige Hauskomplexe allein zu erledigen. Hier gab es nicht nur Gemeinschaftswaschküchen, sondern auch: heißes Wasser zum Aufwaschen. Die Hände wurden zwar noch immer rau vom Wasser und der Lauge, aber sie starben einer im Winter wenigstens nicht mehr vor Kälte ab.

Diese Waschküchen wurden peinlichst sauber gehalten. Sie erinnerte sich nicht, jemals auch nur den Anflug von Schimmel an den Wänden gesehen zu haben. Der Boden – mit Waschlauge der Spülvorgänge gereinigt, die sich sonst einfach nur in den Abfluss ergossen hätten, geschrubbt mit struppigen Bürsten,- glänzte und schimmerte geradezu, die Holzpritsche sah wie neu aus, die Trommeln der Maschinen dufteten nach Waschpulver und Weichspüler, die von einigen Mieterinnen sehr großzügig verwendet wurden.

Als sie fünfundfünzig Jahre später an diesen Häusern vorbei ging, sah sie ein Fenster zur Waschküche offenstehen. Sie blickte herein und fand es seltsam, dass – bis auch die Maschinen natürlich, die viel kleiner als die ersten – sich nichts verändert hatte am Raum, der Waschtrog war noch da, der Holztisch, die Schemel.

Wo doch alle den Fortschritt so priesen, das Neue, das Sterile, das Sie-Wusste-Nicht-So-Genau-Was. Modernität eben. Es gab ja keinen Mangel mehr, alle Menschen in dieser Welt lebten in Luxus und alle zählten sie sich zum Mittelstand, der irgendwann zum Ideal beschworen worden war und allen weismachen wollte, wie großartig unsere Gesellschaft funktionierte … nicht wahr? Es gab keine Not. Das war lediglich negatives Denken. Reiner Neid.

Wieviele Menschen von acht Milliarden gehören dem Mittelstand an?

Wieviele Menschen von acht Milliarden waren in genau diesem Moment glücklich?

Und was macht deren Glück wirklich aus?

(PS: Es gab nun keine Hausbesorger mehr, nur Reinigungsfirmen)

© Silvia Springer

© Silvia Springer
© Silvia Springer

Among the duties of the janitor was to keep the laundry room of the house clean. There was a large washing machine, in which there was also room for duvets and smaller carpets, a centrifuge and a clothes dryer. Laundry was soaked in the stone wash trough and scrubbed on the wash rump until the dirt was loosened. She remembered seeing it a few times, but not very often. It was 1967 when they moved into the new caretaker apartment, the first family in a new small colony of apartmenthouses  on a thoroughfare where cars rushed by in a speeding frenzy, there were no traffic lights yet, some years there were no traffic lights. Many accidents happened, some fatal, and most hauntingly she remembered the one in which a car was on its roof, the driver had crawled out of the wreckage virtually unharmed, his companion – (long, very long before seat belts were mandatory) – had been thrown through the windshield and was struggling with death on the side of the road. She died before the ambulance arrived.

So it was 1967 and households were becoming modern. There were still old building apartments with toilets along the corridor used by several tenants, bassenas along the corridor where housewives met for daily gossip between jobs while they waited for their tubs to fill with (ice cold) water, which they dragged into their apartments to wash the floors or poured it into wash kettles to boil diapers and underpants.

There was one laundry room per staircase. There was one caretaker for every two houses, which was also a step forward, because before that her mother had to take care of huge complexes of houses on her own. Here there were not only communal laundry rooms, but also: hot water for washing up. Hands still got rough from the water and suds, but at least they didn’t  freeze on one in the winter from the cold.

These laundry rooms were kept scrupulously clean. She did not remember ever seeing even the hint of mold on the walls. The floor – cleaned with suds from the rinses that would otherwise have just poured down the drain, scrubbed with shaggy brushes,- was positively shiny and gleaming, the wooden plank looked as good as new, the drums of the machines smelled of washing powder and fabric softener, used very liberally by some of the tenants.

Fifty-five years later, as she walked past these houses, she saw a window to the laundry room open. She looked in and found it strange that – except for the machines, of course, which were much smaller than the first ones – nothing had changed about the room; the washing trough was still there, the wooden table, the stools.

Whereas everyone praised progress so much, the new, the sterile, the you-didn’t-know-what. Modernity. There were no more shortages, all the people in this world lived in luxury and all of them counted themselves among the middle class, which at some point had been conjured up as the ideal and wanted to make everyone believe how great our society functioned … didn’t it? There was no hardship. That was just negative thinking. Pure envy.

How many people out of eight billion were in the middle class?

How many people out of eight billion were happy at that very moment?

And what really constitutes their happiness?

(PS: There were now no more janitors, only cleaning companies).

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (free version)

11 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ulli sagt:

    Was sind „Tuchenten“?

    Wir hatten im Mietshaus meiner Kindheit eine Waschküche für 12 Familien und keine Hausbesorger=innen. Das von dir so treffend beschriebene Interieur gab es auch. Nach und nach zogen Waschmaschinen in die Haushalte ein. Ich weiß noch, wie ich mit meiner Mutter vor dem Bullauge saß und wir der Wäsche bei ihren Schaumumdrehungen zuschauten und wie sich meine Mutter freute. Allerdings hat sie die Handwäsche für Feines und Wolliges nie aufgegeben, in dem Punkt traute sie den Maschinen nicht.
    Herzliche Grüße an dich 💖

    1. diespringerin sagt:

      😀Ach ja, Umgangssprache und Dialekt ! Eine Tuchent ist ein Federbett oder eine Daunendecke. d.h., es waren große Maschinen zum Waschen und Trocknen. Ich habe schon an einem anderen Kommentar bemerkt, dass Hausbesorger:innen offenbar eine österreichische Erfindung sind bzw. waren, bei uns gab’s die vermutlich seit den ersten Gemeindebau-Zeiten in den 20er Jahren (ooops, des vorigen Jahrhunderts). Muss glatt mehr drüber recherchieren. War ein Vollzeit-Job, bzw. sogar darüber hinaus, denn man musste 7 Tage die Woche 24 Stunden verfügbar sein (bzw. für Vertretung war selber zu sorgen), da es noch keine Gegensprechanlagen gab und mitten in der Nacht der Schnee geräumt oder wegen Glatteis gestreut werden musste, Leute, anklingelten, weil sie ihren Haustorschlüssel verloren hatten oder betrunken nach Hause kamen und das Schlüsselloch nicht fanden und so vieles mehr. Das was du beschreibst, ist mir auch sehr vertraut :) … die Frauen waren so glücklich über gewisse Dinge, die ihnen den Alltag wirklich erleichterten … siehe Waschrumpel, die fiel mit der Zeit weg. Viele liebe Grüße auch an dich! ❤️🌍

      1. Ich hab mein Schlüsseloch nicht gefunden, wer sangs?!

      2. diespringerin sagt:

        Ich glaube, ich steh voll auf der Leitung, das mit dem nicht gefundenen Schlüsselloch, da komm ich noch mit, aber beim Singen ;) ? Ich stell mir jetzt so vor, wie jemand etwas schwankenden Stands wie ein Schamane das verschwundene Schlüsselloch wieder herbei singt …. :) ….

      3. Ich bezog mich auf deinen Kommentar:
        „War ein Vollzeit-Job, bzw. sogar darüber hinaus, denn man musste 7 Tage die Woche 24 Stunden verfügbar sein (bzw. für Vertretung war selber zu sorgen), da es noch keine Gegensprechanlagen gab und mitten in der Nacht der Schnee geräumt oder wegen Glatteis gestreut werden musste, Leute, anklingelten, weil sie ihren Haustorschlüssel verloren hatten oder betrunken nach Hause kamen und das Schlüsselloch nicht fanden und so vieles mehr.“

        Ich habe eine CD von Hans Moser, in der er einen solchen Fall besang.

      4. diespringerin sagt:

        Ach ja, der Hans Moser, eine österreichische Institution… erst kürzlich dachte ich mir, es erinnert sich kaum wer an ihn, und jetzt schreibst du mir von ihm und ich sitz auf der Leitung… es dämmert die Erinnerung herauf, danke 😅!!!!

      5. Singen konnte er ja eigentlich nicht, aber seine unverwechselbare stimme wars…

      6. diespringerin sagt:

        Und sein berühmtes Nuscheln…

      7. Ja, das hatte er bestens kultiviert :-)

  2. petraelsner sagt:

    Ich kenne das auch noch so. Nur das es bei uns keine „Hausbesorgerinnen“ gab, sondern dass die Frauen all das neben ihrem Vollzeitjob und der Familie alleine stemmten. 1967 bekam meine Mutter ihre erste Waschmaschine mit Schleuder. Sie hat nie richtig putzen gelernt, weil dafür gar keine Zeit war. Das Leben war noch hart, aber hatte einen Auswärtstrend im Osten, wie im Westen. Das Glück aber ist etwas anderes, es wohnt nicht hinter Standards, es hat etwas mit dem Sehen von Lebensschönheit zu tun…

    1. diespringerin sagt:

      🙏😊💗💫ja, ja, ja. Wer damit begabt ist (dem Sehen von Lebensschönheit) , hat einen großen Vorteil! …

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