Wunder

Eisblumen 2014Oh, das Jahr schreitet voran. Die Tage werden bereits länger. Zwar sind sie trüber und grauer als während des ganzen übrigen Winters zuvor, aber Tatsachen sind nun einmal Tatsachen. Die Völlereien der Weihnachtstage und die Trunkenheit der Silvesternacht liegen hinter uns, wir erholen uns von unseren Katern (und Katzen?) und schwören, wir werden sofort mit dem Fasten beginnen, um spätestens für unseren nächsten Urlaub am Meer unsere Bikinifigur zurückerobert zu haben. Naja, nicht sofort, aber spätestens dann, wenn wir mit der Dose mit den selbst gebackenen Weihnachtskeksen unserer liebenden Mütter, Tanten, wohlmeinenden Freundinnen etc. fertig sind. Wäre ja eine Schande, die verderben zu lassen, und das Christkind schaut ja bloß einmal im Jahr vorbei.

Vielleicht werden wir etwas weniger Wein trinken. Also, wenn die Flaschen geleert sind, die wir ebenfalls zu den Feiertagen als Mitbringsel erhalten haben. KAUFEN müssen wir jedenfalls in nächster Zeit keinen. Höchstens zu wirklich wichtigen und feierlichen Anlässen werden wir uns ein Gläschen oder zwei (oder drei ….) gönnen, nicht, um verflossene Lieben zu betrauern, da wäre es eher angebracht ins Fitnessstudio zu gehen und sich abzustrampeln. Wenn man der Typ dafür ist … aber es gibt ja noch Yoga, Laufen im Wald, stille Meditation im Zen-Kloster.

Allerdings fühlt man sich in gerade solchen Augenblick nicht rational genug um das zu tun, was gut für eine oder einen wäre. Wir lieben es nun einmal, im gefühlvollen Schmerz zu ertrinken, es gibt uns das Gefühl am Leben zu sein, nicht wahr? Was gibt es auch schöneres?  Doch, eines: sich zu verlieben und das Wunder neu zu erleben. Ist es nicht jedes Mal eine Wiedergeburt? Denn mit jeder neuen Liebe, für die du dich nach dem Scheitern der letzten entscheidest, erhältst du wieder ein Stück deiner Seele zurück, die du verloren glaubtest. Du bist ein wenig weiser geworden, wirst nicht mehr dieselben Fehler machen, dafür neue begehen: damit lernst du dich und deine innere Landschaft und auch dein Gegenüber besser kennen, sammelst Erfahrungen …

Nur, dass wir das nicht immer sehen wollen, besonders, wenn wir gerade ein blutiges, zerrissenes Herz haben, es fühlt sich jedenfalls so an. Und um den Schmerz zu betäuben, fügen wir uns weiteren zu, ertränken ihn oder betäuben ihn womit auch immer, es gibt so viele Strategien wie es Menschen gibt.

Oh, wir brauchen diese Zyklen mit den Abschnitten darin, um neu geboren zu werden, zu wachsen und zu gedeihen in Liebe und Hoffnung, initiiert zu werden in die verschiedenen Stadien unseres Seins, zu lernen mit Freude ebenso weise umzugehen wie mit unserem Schmerz, der allerdings nicht das Wertvollste ist, was wir haben. Um zu lernen, diesen los zu lassen und damit zu transformieren, womöglich zu transzendieren in einer ganz persönlichen Ekstase, die unser Innerstes nach außen dringen lässt um Kontakt aufzunehmen mit der Welt, in die wir hineingeboren wurden, rätselhafterweise.

Es ist leicht, das Schöne zu lieben. Es scheint vollkommen, das Schöne, nicht wahr? Das Hässliche zu lieben, es auch nur genauer anzusehen ist wesentlich schwieriger. Wie soll man auch nur die Ecken und Kanten lieben, die einen verletzen, die zernarbten und seelenverkrüppelten Gesichter und Körper, die von Bomben des Wahns getroffenen inneren Landschaften oder die von Langeweile zermürbten Gefühle und Gedanken? Wie sollen wir Nachsicht mit den Fehlern anderer haben, wenn wir unsere eigenen nicht einmal wahrnehmen wollen, denn wir nehmen sie wahr, aber immer nur am anderen. Daher, meine liebsten Mitmenschen, meine Geliebten, brauchen wir einander, um zu lernen, mit uns selbst zu leben, denn im liebenden Blick des anderen, und sei es für kurze Zeit einer berauschten und berauschenden Illusion, die nur entstehen kann, weil wir ein Innenleben haben, das wir verschlossen halten, da uns nichts mehr Angst bereitet als unser Selbst, erkennen wir, wie schön wir eigentlich sind. Nicht sein können. Sind.

Daher liebe ich die Liebe so sehr: Weil du nirgendwo so viel zurück erhältst als hier. Nicht, um so viel zu bekommen, lieben wir, denn das ist ja das Verrückte daran: weil wir uns verschenken, wenn wir lieben, so völlig und ganz und gar und zumindest für klare unklare Momente der liebevollen Umarmung und Verschmelzung nicht mehr denkst: Ich bin oder möchte sein. Sondern aufgehst im Sein und nichts mehr wünscht, nichts mehr berechnest, sondern einfach nur dem folgst, was du für die Stimme deines Herzens hältst und dich selbst völlig verschwenderisch verschenkst. Was immer es auch tatsächlich ist: dieses Herz fühlt sich an wie das Innerste deines echten Zuhause.

Wenn sich zwei Menschen begegnen, an diesem Ort, dann geschehen Wunder.

Willkommen im Land der Träume.

 

 

 

 

 

 

 

 

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