Veränderung / Transition

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2016-02-23 09.20.08 (2)

Sie begannen irgendwann damit, das Dach abzutragen. Aus Alt sollte Neu, mehr Wohnraum geschaffen werden. Sie dokumentierte mit ihrer Kamera, manchmal mit ihrem Handy, je nachdem was sie gerade dabei hatte, die Entwicklung. Es war spannend, die Veränderung zu verfolgen. Sich durch das äußere Geschehen bewusst zu machen, wie Leben fortschreitet, wie unaufhaltsam es passiert.

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They eventually started removing the roof. From old to new, more living space should be created. She documented the development with her camera, sometimes with her cell phone, depending on what she had with her. It was exciting to follow the change. To become aware of the external events, how life progresses, how inexorably it happens.

2016-03-11 07.59.05

Sie war beeindruckt von der Geschmeidigkeit der Arbeiter, den ruhigen und bestimmten Bewegungen, ihrem Gleichgewichtssinn, der Unerschrockenheit, die sie an den Tag legten. Sie mochte ihren Humor, ihre Stimmen, ihr Lachen. Der Staub, Dreck, Lärm gingen ihr auf die Nerven. Als sie das Dach über ihrer Wohnung abtrugen, spürte sie die Kälte des Winters noch bevor er eintraf. Die Nässe des regenreichen Herbstes ergoss sich durch ein Leck in der Decke auf alte bereits abgewetzte aber umso mehr geliebte Möbel und den Holzboden, den sie vor Jahrzehnten selbst mit Hilfe ihres damaligen Gefährten neu geschliffen, geklebt, genagelt, lackiert hatte.

So war das eben. Aus Alt sollte Neu werden. Man hätte das Haus abreißen können, aber es stand aufgrund seines Alters unter Denkmalschutz. Gewisse Dinge die Fassade betreffend durften nicht verändert werden, mussten erhalten bleiben. Das Gebäude hatte die Sanierung dringend nötig. Und dennoch ging dabei etwas verloren, war unwiederbringlich. Fiel mit dem (allmählichen, nie abgeschlossenen) Weggehen der Bewohner und Bewohnerinnen der Vergessenheit anheim.

Und dennoch: es war einmal gewesen. Die Energiespuren vieler gelebter Leben würden spürbar bleiben für sensitive neue Bewohner und Bewohnerinnen.

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She was impressed by the suppleness of the workers, the quiet and determined movements, their sense of balance, the boldness they displayed. She liked their sense of humor, voices, laugh. The dust, dirt, and noise got on her nerves. As they cleared the roof of her apartment, she felt the cold of winter before it was even there. The wetness of the rainy autumn spilled through a leak in the ceiling on old and scuffed but because of that the more beloved furniture and the wooden floor, which she had honed decades ago, with the help of her former companion, glued, nailed, varnished.

That’s how it was. Old should become new. They could have demolished the house, but it was because of its age a listed building for urban heritage conservation. Certain things regarding the façade could not be changed, had to be preserved. The building was in urgent need of refurbishment. And yet something was irretrievably lost. Falling with the (gradual, never completed) leaving of the inhabitants into oblivion .

And yet: once upon a time the energy traces of many lived lives would remain noticeable for sensitive new residents.

 

 

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