Die vielen Steine der vielen Weisen / The Many Philosopher’s Many Stones

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Please find English translation below.

Im November floß die Farbe aus, trotz ungewöhnlich warmer Temperaturen. Die gefärbten Blätter wurden nicht vom Sturm von ihren Orten auf Bäumen und Sträuchern gerissen, sondern folgten einfach dem Gesetz der Gravitation, des Alterns, des Sterbens. Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Die Aufmerksamkeit wurde im Grau des Nebels und dessen seltsamen Licht auf scheinbar Wesentliches gerichtet. Was war wirklich sichtbar? Fragte sie sich. Was sah sie, was extrahierte sie aus der sie umgebenden Wirklichkeit und warum?

Sie stellte diese Fragen leidenschaftslos, ohne Erwartung auf eine konkrete Antwort. Sie erhielt diese aus den Bildern, die ihr auf dem Bildschirm entgegenschienen, nachdem sie tags zuvor Augenblicke aufgenommen hatte mittels einer Apparatur, die eines ihrer Lieblingsinstrumente geworden war.

Es waren natürlich nie endgültige Antworten, und eigentlich waren es vermutlich nicht einmal Antworten, sondern … eben Erscheinungen, mit denen sie spielte wie ein Kind mit Wasserfarben auf Papier. Es war ihre persönliche Reaktion auf die Begegnung mit dem, das außerhalb ihr selbst war, Verinnerlichung und Ausdruck. Es fand eine Transformation statt, ein alchemistischer Prozess. Sie fragte sich, was oder wer hier der Stein war, der verwandelt wurde, und wer der „Weise“, der diese wunderbare Verschmelzung vollzog.

Es kam nicht auf das Ergebnis an, das auf manche ansprechend wirken mochte und auf andere wieder nicht. Das Wunder war die Verwandlung, die in Jeglichem jederzeit geschah.

Sie glitt ins Schweigen zurück. Sie nahm wahr, nahm teil. Sie schätzte so sehr die Schönheit, die andere in diese Welt brachten. Aber sie konnte darauf nicht mit Worten antworten, die ihr jedesmal … seltsam in ihren Augen schienen, wenn sie diese niederschrieb, um sie nach kurzem Zögern wieder zu löschen. Das Sprechen fiel ihr noch etwas leichter, aber auch da merkte sie, sie wollte immer weniger sagen, denn … es klang irgendwie seltsam leer.

Es würde auf die feuchtgeschwängerte Nebelzeit des Herbstes die klare Kälte des Winters folgen. Sie vertraute auf die Natur in allen Dingen, so auch der ihr innewohnenden. Der Samen war gelegt worden, nun müsste die Saat im Acker schlafen, geduldig warten, bis die Umstände wieder so wären, dass sie sich bewegen und ihren Weg ins Licht bahnen würde.

***

November gradually lost its color, though it was unusually warm. It was not autumn’s storms which eventually tore leaves from their branches of bushes and trees, but law of gravity, ageing, dying they were following. Everything with a beginning also has an ending, right? In fog’s greyness and its peculiar light the attention was drawn to seemingly essential things. What was really to be seen? That’s what she was asking herself. What did she see, what did she extract out of reality surrounding her and why?

She asked herself those questions somehow dispassionately, without expections of a concrete answer. Though she got some out of the pictures on the screen, produced the day before in catching moments with help of the technical apparatus, which has become one of her favorite instruments.

Of course they never were final answers, and probably not even answers but … phenomenas she was playing with like a child does with watercolors on paper. They were her personal reaction to the encounter with what existed outside of her, were internalisation, expression. A transformation took place, an alchemistic process. She asked herself, what or who was the philosopher’s stone, which was being transformed, and who the sage, who accomplished this miraculous amalgamation.

The outcome was not so important, which was appealing to some and to others not at all. The miracle was the transformation which took place in every thing all the time.

She drifted back into silence. She perceived, took part. She so very much appreciated the beauty produced and brought into this world by others. But she wasn’t able to respond to it in words. She tried and deleted her written lines, seeing them on paper or screen, after short consideration should she send them out or not. Spoken words seemed still easier, but even here she noticed her vanishing need to say anything, because if she did … the words would sound insignificant and hollow.

Winter’s clear cold would follow the misty days of fogs. She trusted on the nature of things, also the one within herself. The seed put in the ground would sleep its time, had to wait patiently in the darkness until the moment of change came, when it could take its way into light.

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© Silvia Springer

 

 

 

 

 

 

 

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. diespringerin sagt:

    🙃☺️ So thank you 🤗

  2. diespringerin sagt:

    😊❤️🙏

  3. diespringerin sagt:

    Danke dir, lieber Lu :o) ! Einen herzlichen Abendgruß zurück, von Silvia

  4. finbarsgift sagt:

    Sehr schön, Text und Fotos …
    Liebe Morgengrüße vom Lu

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