Einfach gar nichts …

bankmitdurchblickDie Liebe hatte eine Schneise in das Dickicht ihres Selbst gerissen. Der Schmerz schaffte einen Durchblick in die Tiefe ihres Herzens, von der sie überrascht war, die sie nicht für möglich gehalten hatte. Jegliche ihrer Vorstellungen, romantischer und pragmatischer Natur, wurden über den Haufen und sie auf sich selbst zurück geworfen. Das, was sie empfand, fand sie in keinem Katalog, konnte sie nirgendwo nachlesen, es gab keine Bücher, keine Lieder, keine Filme, Gedichte, die schilderten, was sie gerade fühlte, so wahr diese auch sein mochten – waren sie alle, alle bereits vergangene, auch zum ersten und einzigen Mal beschrittene Wege gewesen, nicht wiederholbar, nicht einmal wirklich mitteilbar.

Wenn du liebst, fand sie für sich heraus, gehst du einen Weg zum ersten Mal. Und du gehst ihn ein einziges Mal. 

Nicht, dass nicht andere Lieben möglich wären. Selbstverständlich. Es war eine Entscheidung, zu lieben. Grundsätzlich. 

Aber es gibt eine Liebe, die ist wirklich neu. Und lässt dich anders reagieren, anders handeln, als du es gewohnt bist.

Sagte sie sich gerade. Oder etwas in ihr sagte es zu ihr. Sagte es nicht. Zeigte.

Es hatte etwas mit einer Entscheidung zu tun, die auf einer noch tieferen Ebene irgendwann einmal getroffen worden war. Dies wiederum mit einem Vertrauen an … ja, woran?

Den Geliebten? Der gar nicht körperlich anwesend war und dennoch in ihrem Herzen wohnte, als wäre er ihre Seele? Diese Worte kamen nicht einmal annähernd an das heran, was sie empfand. Es war sinnlos, darüber zu grübeln, und zwar in der wahrsten Bedeutung des Wortes: ihre Sinne übermittelten eine Botschaft nicht an ihren Verstand, sondern an die sprachlose, absolut liebevolle Seele, daher war das Denken endlich, endlich an eine Grenze gekommen und konnte nicht mehr weiter. 

Und sie nicht anders. 

Als warten.

Sie konnte tatsächlich nicht anders. Und das war die größte Überraschung ihres Lebens. 

Sie nahm Platz auf der Bank, die ihr das Warten erleichterte. Das Denken war irgendwo auf der Strecke geblieben. Sie vermisste es nicht. Sie hatte beschlossen, zu fühlen. Die Angst verflog, der Schmerz ebenso. Sie ging weiter.  Sitzend auf der Bank, im Warten, ging sie weiter als sie je gegangen war.

Und sie spürte, sie spürte ihr Herz. 

Angekommen? 

Nein, einfach nur den eigenen, völlig neuen, von anderen unbeschrittenen Weg genommen. Ohne Karte, ohne Kompass. 

Und das, obwohl sie nicht mehr jung war. Hier begriff sie die Lüge über die Generationen. Und so genannte Verträge. Die es niemals wirklich so gegeben hatte.

Die Liebe.

Kein Vertrag.

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Auch dir, dass dich der traumvolle Schlaf umfängt und hegt und pflegt … :o)

  2. Muss leider ins Bett, weil ich um 2 Uhr raus muss und die Nacht heute kaum geschlafen habe .. gute Nacht dir und süße Träume 🙂

  3. Wow … da bin ich jetzt mal platt. Und die Osrambirnen leuchten knallrot und warm vor Freude …

  4. Du bist ein Diamant inmitten der Kohle .. Du bist gepresst durch Leid und Erfahrung, aber du leuchtest über dich hinaus. Du trägst mehr Strahlkraft in deiner verletzten Seele als tausend Osrambirnen. Du bist ein Mensch und das ist selten geworden. <3

  5. Das mit den vor Freude vom Himmel purzelnder Sterne gefällt mir ganz besonders … wie Licht dann unsere Erde auf einmal wäre … oder wie lichterloh sie vor Leidenschaft brennen würde … ja, Glück wünsch ich uns auch .. :o)

  6. Die Liebe kennt kein Alter, keine Rasse, keine Religion .. die Liebe ist. Du sitzt allein auf einer Bank: Mag sein, dass jemand neben dir sitzt, den du nicht siehst und der dich fester im Arm hält, als du es denkst, wenn das erste Herbstblatt fällt und ein Stern den anderen hält, damit die Sterne nicht vom Himmel purzeln vor Freude .. Zur Ermutigung schreibe ich diese Worte: Bin ja nur ein unbedarfter Besucher, der die Zusammenhänge nicht wirklich kennt. Ich wünsch uns Glück 🙂

  7. Danke, Sylvia Waldfrau.

  8. Ungeheuer intensiv diese Worte.

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