Herbst in Wien / Fall in Vienna (2)

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Sie durchquerte immer wieder gerne das Museumsquartier. Nun hatte es sein Herbstkleid an. Das verfärbte Laub begann zu fallen, Hochnebel trübten das Licht, leuchtende Farben wirkten wie kleine Inseln. Die Bewegung der Menschen schien einer geheimnisvollen Choreographie zu folgen, einem Drehbuch, das ein genialer Regisseur geschrieben hatte und nun umgesetzt wurde. Alle waren Komparsen, alle hatten das Zeug zum Star, jede einzelne Geschichte war bedeutsam.

Als sie die Stufen hinabstieg, die Szene betrachtete, das eine oder andere Foto machte, spürte sie ein seltsames Ziehen im Herzen, oder vielmehr, wie es sich weitete, wie es tatsächlich schlug aus Liebe zur Welt, zu dem, was sie sah.

Das, was grade jetzt vor ihr sich entfaltete, war schön und gut, stärkte ihr Vertrauen in die Menschen, ins Leben. Momente wie diese ließen sie die anderen überstehen, denn es gab auch jene, die zweifeln ließen am Bestand der Welt.

***

She always liked crossing the Museum’s Quarter. Now it had put on its autumn dress. Motley leaves started to fall, the high fog dulled the light and bright colors seemed like little islands. The movement of the people seemed to follow a mysterious choreography, an ingenious director’s script. All were extras, all had what it takes to be a star, every single story was meaningful.

Going downstairs viewing the scene, taking a photo or two, she felt this slight pain in her heart, as if it would open up, as it was truly beating in love for this world, for what she saw.

What was enfolding before her eyes just now was beautiful and good, bolstered her trust in humankind and life itself. Moments like this helped her survive the others, which of course existed too, which casted doubt upon the continuance of the existence of humanity.

© Silvia Springer

 

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. TeggyTiggs sagt:

    …gefällt mir sehr, doch ich würde die letzten beiden Halbsätze weglassen, mit „Momente wie diese ließen sie die anderen überstehen…“ enden und so eine Offenheit entstehen lassen, die sowieso ausdrückt, was Du angefügt hast…das würde ich als Bereicherung empfinden…(bitte fasse es nicht als ablehnende Kritik auf, gerade das fiel mir eben beim Lesen auf, jeder andere mag es anders empfinden.)
    liebe Grüße
    TeggyTiggs

    1. diespringerin sagt:

      Danke dir für dein Feedback, lasse es noch auf mich wirken und werde gegebenenfalls eine Änderung am Text vornehmen. Grad bei den zwei Halbsätzen hatte ich nämlich Gründe, sie stehen zu lassen, aber mal sehen … Hab’s noch schön und herzliche Grüße! Silvia

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