Neuer Alltag. / New Way of Everyday Life.

Stoffmaske © Silvia Springer
© Silvia Springer

English translation below. 

Fast hätte sie vergessen, dass sie heute zur Drogerie musste. Sie hoffte, sie würde rechtzeitig zur Lieferung hinkommen, um noch ein paar Einweghandschuhe zu ergattern. Sie war noch ungeübt, was das Auf- und Absetzen der Maske betraf. Irgendwie verrutschte das Ding immer, über die Augen. Sie überlegte, ob das an ihrer großen Nase liegen mochte. Die war lang und spitz, bei eher flachen Nasen saß die Maske sicher besser.

Aber dann dachte sie daran, dass eine Kollegin via WhatsApp dasselbe beklagte. Die hatte keine große Nase.

Brillenträger hatten dauernd beschlagene Gläser. War das nicht gefährlich? Sie war froh, nicht so schlecht zu sehen, dass sie nicht auch ohne Brillen unterwegs sein konnte. Auch dass man die Maske nicht berühren durfte und so weiter und so fort, das stresste sie. Man griff so unwillkürlich danach, wenn man halb erstickte.

Sie freute sich auf die Zeit nach der Maske. Immer wenn sie in trüben Gedanken zu versinken drohte, dachte sie an den ersten Kuss, die erste Umarmung, das erste Treffen mit mehr als einer Person, ans fröhliche Tanzen in der Menge, Konzerte usw. usf. Das alles brachte sie zum Lächeln. Das alles würde wieder kommen. Es war nur eine Frage der Zeit.

Sie zupfte ein letztes Mal an ihrer Maske, zückte ihr Taschentuch, mit dem sie alle Türschnallen berührte, hatte ein zweites in der Jackentasche, mit dem sie etwaige andere Dinge wie Pincode-Tastaturen oder Einkaufswägen angreifen musste, und machte sich unerschrocken auf den Weg. Es galt, so wenig zu spucken wie nur möglich.

Sie lächelte. Alles war gut, und was noch nicht gut war, war einfach noch nicht das Ende, sondern schlichtwegs ein Lernen.

Sie sprach ein kurzes Gebet für die Gesunden und Erkrankten, los ging’s.

***

She nearly forgot that she wanted to go to the drug store to get some disposable gloves. She hoped she would catch the right time, when the delievery would arrive. She wasn’t quite used to put on the mask correctly. It kept slipping over her eyes. Probable her nose was too long. People with small noses definitely had a clear advantage.

But then she thought of a collegue who via WhatsApp complained about the exact problem. She did not have a big nose.

People wearing glasses were in trouble because they were always foggy. Wasn’t that dangerous? She was happy not to have to wear her glasses all the time. It also stressed her not to be allowed to touch the mask during use. You would reach for it so involuntarily when you are near suffocating.

She was looking forward to the time after mask. Whenever she felt like drowning in sadness she visioned the first kiss, the first hug, the first time meeting friends, joining them at concerts, of happy dancing in a crowd … That made her smile. All that would come again, it only was a question of time.

So she pulled the laces on the mask for the last time before leaving, outflinged a paper tissue for all the door knobs she had to touch on her way and prepared a second one for other stuff like the handles of shopping carts or pincode keyboards and off she went, undaunted like a knight. The quest was to spit around as less as possible.

She smiled. All was well, and what wasn’t was simply not the end but some lesson to be learned.

She spoke a little prayer for all the healthy ones and also for the sick ones and left.

© Silvia Springer

 

 

 

 

 

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. TeggyTiggs sagt:

    …ich wasche die Hände, die übrigens eine Haut haben, die sich von selber schützt, was Handschuhe nicht können… und ich lächle die Menschen um mich an, was eine Maske auch nicht kann…lächel

    1. diespringerin sagt:

      Das muss letztendlich jeder Mensch mit sich selber ausmachen und kommt auf Ort, Zeit, Umstände an.

  2. Art of Arkis sagt:

    Irgendwo hab ich gelesen, das mit den Handschuhen sei gar nicht so gut. Besser evntl. regelmäßig gegebenenfalls, gut die Hände waschen.

    1. diespringerin sagt:

      Ja, ich bin ja auch nicht wirklich überzeugt, ob sie immer sinnvoll sind. Ich glaube, es ist letztendlich egal, wenn man alles mit den Handschuhen angreift ist es so wie mit den nackten Händen. Man müsste ja 10x die Handschuhe wechseln, da halte ich die Methode mit den Tüchern (wenn du in der U-Bahn fährst oder die Einkaufswägen angreifst) für sinnvoller und vermutlich auch umweltfreundlicher. Ansonsten halte ich es so wie du, ich wasche mir einfach oft die Hände … und tut halt alles so bewusst wie möglich … herzliche Grüße und hab’s gut, so richtig gut!

      1. Art of Arkis sagt:

        Danke, wir passen auf uns auf ;) und du, habs auch gut!!!

      2. diespringerin sagt:

        😊🌸🙏😎

    1. diespringerin sagt:

      ☺️ Danke 😊!

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